Startseite

 
  Chronik  
  Technik  
  Gästebuch  
  Besichtigungen  
  Impressum  
 

 
 

Technik der Ölmühle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gebäude

Scheune und Stallungen wurden 1957 und 1965 zu zwei Einfamilienhäusern umgebaut. Das alte Mühlengebäude, das die Wohnung und im hinteren Teil und im Untergeschoß die Mahlmühle enthielt, wurde um 1700 erbaut. Hinter dem Hauptgebäude ist die Ölmühle angebaut. Die Eingangstür zur Ölmühle befindet sich auf der Ostseite. Der profilierte und gewölbte Türsturz trägt eine Inschrift. Die Buchstaben sind nur noch in Resten vorhanden. Die beiden Mühlengebäude hatten Vorgänger an derselben Stelle. Urkundlich läßt sich die Mühle bis ins Ende des 15. Jahrhunderts feststellen. Neben der Mahl- und Ölmühle war zeitweise auch eine Schneitmühle vorhanden. Das Gebäude hat eine Außenabmessung von 9 x 8 m und das Bruchsteinmauerwerk eine Stärke von ca. 50 cm. Die Westseite, an der das Mühlrad lief, ist aus mächtigen Quadersteinen errichtet. Die Eingangstür besteht aus Eichenbrettern mit geschmiedeten Nägeln. Neben der Tür befindet sich ein Fenster. An der Südseite ein weiteres Fenster. Der Boden ist ein gestampfter rötlicher Lehmboden. Die Deckenbalken werden von zwei kräftigen Unterzügen getragen. Die Zwischenräume sind als eine Lehm Stroh-Wickeldecke ausgeführt. Jede Wickel wird von einem Stückholz gehalten, das an beiden Enden in den Schlitzen der Balken ruht. Die Innenhöhe beträgt 3 m

 

Walzenmühle

In der NW-Ecke steht die "Ölquetsch". Sie ist um 1890 angeschafft worden. Auch sie wurde durch das Wasserrad betrieben.: Vom Speicher über der Ölmühle, wo die Ölsaat lagerte, führt ein Rohr in den Trichter der Mühle. Von da liefen die Körner zwischen zwei Eisenwalzen und wurden zerquetscht. Sie leitet den Prozeß der Ölgewinnung ein.

 

 

 

Kollergang

In der Mitte des Raumes steht der Kollergang. Auf einer mächtigen runden Sandsteinsäule von 50 cm Höhe steht eine eichene Spindel, die mit ihrer oberen Spitze in der Decke befestigt ist. Sie trägt das große Kronenrad mit einem Durchmesser von 2,75 in, aus dessen Radkranz die eichenen Holzzähne 9,5 cm herausragen. Der Radkranz, die Felgen, sind 19 bis 33 cm breit und 14 cm hoch. Die Speichen sind 7,5 cm dick und 17 cm hoch. Unter diesem Kronenrad stehen die beiden Läufersteine des Kollerganges, die aus Sandstein 100 cm hoch und 36 cm dick sind. Durch mächtige Eisenstangen sind die Steine mit dem Kronenrad außen seitlich befestigt. Eine dicke eiserne Achse verbindet die beiden Steine mit der Spindel. Nach Einschaltung der Transmission setzte sich das Kronenrad in Bewegung und zog die Steine mit sich, immer im Kreis über die auf dem Steinsockel ausgebreitete Ölfrucht. Eine Flügelkratz, die ebenfalls mit der Spindel fest verbunden war, lockerte die festgefahrenen und schon teilweise zerquetschten Früchte auf, damit die nächste Pressung wieder besser wirksam wurde. Eine einfache, feststehende Kratz drückte dann die zerquetschte Frucht an den Rand des Auffangkastens. Notfalls mußte mit der Handkratz nachgeholfen werden.

 

Presse

Der 5,80 m lange Eichenstamm trägt eine Inschrift: JOHAN FRIEDERICH KNEIB A. D. 1779.und KASBAR LANM - NW 1789. Die Presse besteht zunächst einmal aus einer riesenhaften Balkenkonstruktion aus 4 Eichenstämmen. An einem Ende verbindet ein Stempel die drei anderen Balken miteinander. Der Fundamentbalken, der das ganze trägt und die Hauptlast beim Preßvorgang zu tragen hatte, liegt flach auf einem Steinfundament. Er ragt an einem Ende in den Stempel und hält am anderen Ende eine mächtige Spindel. Wie ein mächtiger Arm ragt der Preßbaum schräg zur Decke, wo ein mächtiger Schlitz die Spindel aufnimmt. Am anderen Ende hält ein Rundzapfen ihn im Stempel fest. Beide sind an ihrem Ende mit Eisenbändern verstärkt. Eine besondere Hebelvorrichtung, die zur Transmission führte, wurde durch zwei senkrecht stehende, kräftige Pfosten gehalten. Zwei weitere Pfosten hielten den Preßbaum (Hebel) in der senkrechten Führung. Über diesem Fundamentbalken ruht ein kürzerer Balken - 3,60 m lang .Er ist am Stempel befestigt und enthält in einer würfelförmigen Aussparung eine Gußwanne. Diese bildet an der oberen Öffnung ein Quadrat mit den Außenenmaßen von 48 cm. Die Außenhöhe beträgt 32 cm. Die Innenmaße betragen oben 39 x 39 cm. Die Innenfläche ist mit einem Holzfutter verkleidet, das kleine Schlitze zum Entweichen des gepreßten Öles enthält, verkleidet. Die Tiefe des Futter beträgt 25 cm. Seitlich ist ein Auslaufstutzen, unter dem ein Gefäß das gepreßte Öl aufnahm Die Spindel trägt die 2 Holzkronenräder in waggerechter Anordnung. Sie ist in ihrem oberen Teil als Schraube ausgearbeitet. Dieser Teil steckt in einer hölzernen Mutter, die das passende Gewinde hat, die obere Spitze der Spindel ragt in die Decke. Quer über dem Schlitz des Preßbaumes liegt rechtwinklig zu ihm die Mutter. Sie hat zwei kräftige Reifen als Bandage und ist mit zwei Haken lose mit dem Preßbaum verbunden.

 

Wärmeofen

An der Ostwand steht ein gußeiserner Ofen zum Erwärmen der Ölfrucht. Dadurch wurde der Wassergehalt verdampft und das in den Pflanzenzellen gespeicherte Öl, für den folgenden Preßvorgang etwas flüssiger gemacht. Die Ofenpfanne ist rund und hat einen Durchmesser von 66 cm und eine lichte Höhe von 17 cm. Ein von der Decke herabreichender Rührer strich ständig über den Boden des erwärmten Gefäßes, damit sich die Ölmaische nicht festsetzen oder gar anbrennen konnte. Diesen Rührer konnte man mittels einer Verstellvorrichtung hochziehen und ablassen. Mittels einer ca. 6 m langen Transmissionsstange und einem kleinen Räderwerk wurde der Rührer vom Mühlrad her betrieben.

 

Getriebe

Die Kraftübertragung

Das Wasser des Mühlenteiches, das mit starkem Gefälle und großem Gewicht die Becher des Radkranzes füllte, setzte das Mühlrad in Bewegung. Die mit ihm verbundene starre und mächtige Achse - ein Eichbaum - führte durch einen Mauerdurchbruch ins Innere der Mühle. Das ganze Räderwerk in der Mühle, - vom Mühlrad über die verschieden großen Kammräder (Kronenräder) bis hin zum kleinsten Ritzel ist ein Getriebe. Hier in einer mächtigen und wuchtigen Ausführung, jedoch auf einer sehr genauen Berechnung beruhend, ähnlich dem Uhrwerk. Dieses ganze Mühlengetriebe ist im wesentlichen ein Zahnradgetriebe, das als Schaltgetriebe verwendet wird. So konnte die Kraft, die das Mühlrad bei Kollergang, Presse, Walzenmühle und Wärmofen ausübte, ein- oder ausgeschaltet werden, das heißt, man löste die Verbindung der Zahnräder, und jede der vier Maschinen stand still, das Mühlrad jedoch lief weiter und ebenso das innere Wellrad. das waagerechte Kronenrad, das große Ritzel darüber und das kleine an der Decke, denn sie waren alle "starr" mit der Vierkantspindel verbunden und diese durch das Kammrad mit dem Mühlrad. Ebenso lief immer - wenn das Wasserrad sich bewegte - die unten liegende Welle zur Presse. Wollte der Müller das große Kronenrad am Kollergang in Ruhestellung bringen, nahm er 5 große Holzzähne aus dem Radkranz und es war "abgeschaltet". Die übrige Maschinen wurden durch Hebel ein und ausgeschaltet. - Ab Mitte der zwanziger Jahre war das Wasserrad nicht mehr in Betrieb. Ein Elektromotor diente als Kraftquelle.

Funktion des Räderwerkes

Vom Wellrad wurde die Kraft zum großen waagerecht liegenden Kronenrad übertragen. Diese setzte die beiden mächtigen Steine des Kollerganges in Bewegung, und die auf dem Läufersteinen ausgebreitete Ölfrucht wurde zerquetscht. 2. Vom selben Wellrad konnte mittels Hebelvorrichtung die Verbindung zu den beiden waagerecht liegenden Rädern an der großen senkrecht stehenden Spindel hergestellt werden. An dieser Spindel ist unterhalb der Decke ein riesiges Holzgewinde. Die Spindel drehte sich. Die Mutter über dem Preßbaum bewegte sich. Sie rutschte am Balkenende etwas hin und her und machte die Bewegungen des Preßbaumes mit. Beim Senken, d. h. beim Preßvorgang, verkürzte sich der Kraftarm. Beim Heben des Preßbaumes verlängerte er sich. Deshalb sehen wir am Ende des Preßbaumes einen mächtigen Schlitz. Zu beachten ist, daß die Spindel fest und senkrecht stand und am Fuß- und Kopfende ein Lager hatte. Der Preßbaum hatte also etwas "Spielraum". Preßbaum und Wannenbalken sind mit einem riesigen Nußknacker vergleichbar.

 

Allgemeines

Mahlergebnisse

An Ölfrüchten wurden Raps ,Mohn, Bucheckern und Nüsse angeliefert. Die beiden letzten Arten wurden nur vereinzelt, im 1. Weltkrieg jedoch sehr reichlich von Leuten zum Pressen gegeben, Hervon erhielt jeder Kunde seine Erzeugnisse zurück, während bei Mohn und Kohl lediglich ausgetauscht wurde.Der Müller hatte immer einen Ölvorrat im Ölkeller. Am meisten wurde Raps gepreßt, er war am leichtesten anzubauen und zu verarbeiten. Einmal ging er durch die Mühle, wurde dann im Röstofen erwärmt, und gepreßt. Nach dem Pressen wurde das frische Öl zum Absetzen in große Behälter geleitet, damit sich nach einigen Tagen die darin enthaltenen Früchteteilchen absetzen konnte.

In normalen Zeiten arbeitete Ölmühle vom Oktober bis April. Dann war die Saison vorbei. Während und nach dem 1. Weltkrieg jedoch war sie fast dauernd in Betrieb. Der Ölmüller konnte mit einem tüchtigen Helfer an einem Tag, bei 15stündiger Arbeitszeit, ca. 6 Zentner Raps pressen. Das ergab eine Ausbeute von ca. 140 bis 150 l Öl, wenn man den Durchschnittsertrag von einem Zentner mit 22 bis 24 1 annimmt. 7 Pfund Buchecker ergaben 1 Liter Öl. 3 bis 4 Pfund Nüsse ergaben 1 Liter Nußöl. Die Nüsse wurden dreimal im Kollergang gepreßt. Sie wurden nicht von den beiden Stahlwalzen zerkleinert. Ölkuchen der Ölsaatfrüchte stellten ein wertvolles Viehfutter darEin Olkuchen wog 10 bis 12 Pfund und war ca. 4 cm dick. Schließlich wurde der Olkuchen mit einem Beil zerkleinert, ging noch einmal durch den Kollergang. Jede Ölfruchtsorte wurde getrennt gepreßt. Als durchschnittliches Ergebnis konnte man von 4 Pfund Kohl 1 Liter Öl gewinnen.